Hinter
Dennis Blair lagen 16 sehr schwierige Monate. Er war bei seinen Versuchen,
einen Geheimdienstchef in jeder der Hauptstädte im Ausland zu ernennen, gescheitert.
Die CIA hatte gewonnen und die Kontroverse war öffentlich geworden. Seiner
Meinung nach nutzte die CIA den täglichen Bericht an den Präsidenten dafür,
Obama über ihre Siege in Kenntnis zu setzen.
Blair
fühlte sich so frustriert, dass er bei einem Anlass sagte: ‘Ich glaube, dass es
sich bei der CIA vor allem um eine Organisation handelt, die wie ein
gefährliches Tier ist, nicht sehr intelligent, aber wirklich sehr gut
durchtrainiert, und dass es erforderlich ist, sie durch die Erwachsenen ganz aus
der Nähe zu kontrollieren.’
Im Mai
2010 hatte Obama Jones und andere gefragt, ob es nicht an der Zeit sei, Blair
zu entlassen. Es hatte sehr viele
Diskussionen mit der CIA gegeben und Blair hatte viel Druck bezüglich der
Unterzeichnung eines Abkommens über Nichtausspionieren mit den Franzosen
ausgeübt, dem sich Obama und die andern Kabinettsmitglieder widersetzten.
Obama
hat ihn angerufen und ihm seine Entscheidung mitgeteilt, ihn abzusetzen, wobei
er ihn bat, dass er irgendeinen persönlichen Vorwand vorbringe.
Blair
fühlte sich tief verletzt. Er war nicht krank, seiner Familie ging es gut, und
er hatte den Leuten gesagt, dass er sich vier Jahre lang als Leiter des
Landesgeheimdienstes halten würde, denn ein Teil der Probleme mit diesem Büro bestand in dem ständigen
Personalwechsel auf höchster Ebene.
Am
21.Juni wurde Jones von Gates bezüglich des in der Zeitschrift Rolling Stone über McChrystal
veröffentlichten Artikels informiert. McChrystal sagte, dass Jones ein ‘Clown’
sei, der im Jahr 1985 stecken geblieben sei; dass die Strategie von Obama
beabsichtige, eine nicht gangbare Situation zu verkaufen.
McChrystal
rief Biden an und erkannte an, dass er die Mission aufs Spiel gesetzt habe. Er
entschuldigte sich bei Holbrooke und
legte Gates seinen Rücktritt vor.
Gates
schlug Obama vor, dass er McChrystal in den ersten beiden Absätzen seiner
Erklärung kritisiere, indem er sage: ‘ich bin der Meinung, dass der General
einen schwerwiegenden Fehler begangen hat und dass er sich mit seinen Gedanken
irrt.’
Obama akzeptierte
den Rücktritt von McChrystal und schlug
Petraeus für dieses Amt vor.
Obama
hatte eine 40minütige Zusammenkunft mit Petraeus.
Am
Mittwoch, dem 23. Juni, kündigte der Präsident die Veränderungen an. Er
erkannte die lange Personalakte der Dienste von McChrystal an und sagte, dass
es ihn traurig stimme, einen Soldaten zu verlieren, den er zu schätzen und
bewundern gelernt habe. Er fügte hinzu, dass Petraeus ‘ein außerordentliches
Beispiel seiner Dienste und seines Patriotismus geboten habe, indem er diese
schwierige Aufgabe übernahm’. Und er schloss ab, indem er sagte: ‘In meinem
Team akzeptiere ich die Debatte, toleriere aber nicht die Uneinigkeit.’
Bei
einem Interview von Obama mit dem Autor des Buches sprach der Präsident über
seine Ideen bezüglich des Charakters des Krieges und seiner Bemühungen, die
Kampfmission der Vereinigten Staaten in Afghanistan einzuschränken und sie
danach einem Ende zuzuführen.
Er
wurde befragt, mit welcher Szene er ein Buch bzw. einen Film darüber beginnen
würde, wie er das Problem Afghanistan gehandhabt habe, und er antwortete, dass
er vielleicht im Jahr 2002 beginnen würde, als die Aufstockung der Truppen im
Irak diskutiert wurde. Jene Rede war wahrscheinlich die erste über
Außenpolitik, die viel Aufmerksamkeit erregte.
Obama
stimmte damit überein, dass der Charakter des Krieges in den unbestimmten
Kosten, der nicht festgelegten Zeitspanne und den unabsehbaren Folgen bestünde,
und zitierte einen berühmten US-Amerikaner, der zu einem Anlass einmal gesagt
hatte: ‘Der Krieg ist die Hölle.’ Er bezog sich auf das vom General der Union
William Tecumseh Sherman Gesagte, als dieser erklärte: ‘…und wenn erst einmal die Hunde des Krieges
losgelassen sind, dann weiß man nicht, wo das alles enden wird.’
‘Als
ich das Amt übernahm, waren zwei Kriege im Gange’, sagte Obama. ‘Ich habe
versucht, das Chaos aufzuklären.’
‘Es
wäre sehr einfach, sich eine Situation vorzustellen, bei der wir aufgrund einer
fehlenden klaren Strategie schließlich über weitere fünf, acht oder zehn Jahre
in Afghanistan bleiben würden, und dass wir dies aus reiner Gewohnheit tun
würden.’
Am
Ende des Interviews bemerkte der Präsident, dass es sich bei fast der gesamten
journalistischen Arbeit um die Beziehungen zwischen den zivilen und
militärischen Führungskräften drehen würde, und so meinte er, er müsse seine
eigenen Meinungen zum Ausdruck bringen.
‘Möglicherweise
bin ich der erste Präsident, der jung genug ist, damit der Krieg in Vietnam
nicht das Zentrum meiner Entwicklung gewesen ist. Ich war dreizehn, als die Vereinigten
Staaten sich 1975 aus Vietnam zurückgezogen haben.’
‘Sodass
ich also ohne die aus den Streitgesprächen über den Vietnamkrieg
hervorgegangene Belastung aufgewachsen bin. Ich vertraute ebenfalls darauf,
dass in unserem System die Zivilpersonen die politischen Entscheidungen treffen
würden und dass die Militärs diese befolgen würden. Ich sehe das nicht so, wie
es meines Erachtens viele Menschen sehen, die die Erfahrung von Vietnam erlebt
haben, als einen Widerspruch zwischen Zivilen und Militärs. Ich sehe es nicht
als einen Kampf zwischen Falken und Tauben. Sodass also viele der politischen
Rahmen, innerhalb denen diese Debatten gesehen werden, vom
Generationsstandpunkt aus gesehen nichts mit mir zu tun haben. Weder schüchtern
mich die Militärs ein, noch bin ich der Meinung, dass diese in gewisser Weise
versuchen, meine Position als Oberster Befehlshaber zu untergraben’.“
In
diesem letzten Absatz des Gesprächs von Woodward mit Obama, sagt der
US-Präsident geheimnisvolle Worte, die aufschlussreich sind: „…vertraute …
darauf, dass in unserem System die Zivilpersonen die politischen Entscheidungen
treffen würden und dass die Militärs diese befolgen würden. […] Ich sehe es
nicht als einen Kampf zwischen Falken und Tauben. […] Weder schüchtern mich die
Militärs ein, noch bin ich der Meinung, dass diese in gewisser Weise versuchen,
meine Position als Oberster Befehlshaber zu untergraben.
Es
gibt Augenblicke, wo der Druck der Militärs stark, anhaltend und sich
wiederholend ist. Man sieht das Bild eines Präsidenten, dem Widerstand
geleistet und der herausgefordert wird, wie es im alten Rom geschah, als das
Imperium schon fast ausschließlich von der Macht der Legionen abhing.
Aber
in der Zeitepoche des alten Roms war der Planet in seinen Ausdehnungen, seiner
physischen Beschaffenheit und Lage im Weltraum vollkommen unbekannt. Es gab
damals noch keine Feuerwaffen; es gab weder einen globalen Handel noch globale
Investitionen oder Militärstützpunkte, Marine und Luftstreitkräfte auf der
ganzen Erde, hunderte Satelliten, Echtzeitkommunikation; zehntausende
Atomwaffen, zu denen noch die funkelektronischen, elektromagnetischen und
kybernetischen hinzukommen; starke Rivalitäten zwischen Mächten in Besitz von
Atomwaffen, deren Anwendung sogar seitens derjenigen, die weniger besitzen,
ausreichend wäre, um dem menschlichen Leben ein Ende zu bereiten; und fast
sieben Milliarden Menschen, die die natürlichen Ressourcen des Planeten Erde
benötigen.
Das
ist ein relativ dramatisches Bild. Einerseits Barack Obama, ein erfolgreicher
Rechtsanwalt, ein gebildeter und sprachgewandter Intellektueller, und
andererseits hoch professionalisierte Militärs,
die ihr ganzes Leben lang in der Anwendung der Gewalt und der
Kriegskunst erzogen und ausgebildet worden sind, die über Waffen verfügen,
welche die menschlichen Lebewesen, die den Planeten bewohnen, in wenigen
Stunden ausmerzen können.
Welche
Hoffnung für die Menschheit kann von diesem Bild abgeleitet werden?
Ich
erinnere mich an die Rede von Bush in West
Point, bei der er als ein Instrument der Äußersten Rechten jenes Landes
behauptete, dass die Offiziere bereit sein müssten, um unmittelbar und ohne
Vorankündigung sechzig oder mehr dunkle Winkel der Welt anzugreifen.
In
zwei jener dunklen Winkel, in Afghanistan und im Irak, sind die Soldaten der
Vereinigten Staaten ins Stocken geraten, nachdem sie Millionen Opfer verursacht
haben.
Bei
den Beratungen des Nationalen Sicherheitsrats mit Obama wurde die Befürchtung
über noch ernsthaftere Schwierigkeiten seitens eines dritten Landes, d.h. Pakistan,
geäußert.
Die
Beziehungen zwischen der CIA und dem Befehlshaber der „arabischen Gruppe“, d.h.
Bin Laden, wurden bis zum 11. September 2001, dem Tag des Angriffs auf die
Zwillingstürme in New York selbst, aufrecht erhalten.
Was
hat der Geheimdienst von Pakistan ISI der US-Rundfunk- und Fernsehkette CBS
berichtet? Dass Osama Bin Laden am 10. September im Militärkrankenhaus von
Rawalpindi, in Pakistan, einer Nierendialyse unterzogen wurde. „Es ist zu berücksichtigen, dass das
Krankenhaus den Streitkräften von Pakistan untersteht, welche enge Beziehungen
zum Pentagon haben… Es wurde keinerlei Versuch unternommen, den in den
Vereinigten Staaten bekanntesten Flüchtling zu ergreifen, es könnte sein, dass
Bin Laden später zu anderen, besseren Zwecken dienen könne.“
Jene
Information wurde am 28. Januar
Dies
zu wissen, erleichtert das Verständnis dafür, warum in den Dialogen mit Obama
im Weißen Haus behauptet wird, dass das schwierigere Problem von Pakistan
ausgehen könne.
Jene
Person, die den respektvollsten Austausch mit Obama geführt hat, war General
Colin Powell, der zur Republikanischen Partei gehört, die sich seiner Wahl als
US-Präsident widersetzte. Wie bekannt,
hätte Powell der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten sein können.
Er hat es vorgezogen, nicht als Kandidat anzutreten. Später ernannte ihn Bush
zum Außenminister. Ich weiß, dass ihm nahe stehende Personen sich hartnäckig
gegen seine Kandidatur gewendet hatten. Aber ich besitze nicht genügend
Elemente, um mir ein Urteil über die Gründe von Colin Powell zu machen.
Ich
hoffe, dass die Zusammenfassung des Buches „Obamas war´s“ den Lesern der
Reflexionen nützlich war.
Fidel
Castro Ruz
14.
Oktober 2010
21:51
Uhr