Am 3. April hatte Petraeus eine Zusammenkunft mit Derek Harvey, seinem engen Geheimdienstberater. Harvey führte ihm eines der pessimistischsten Bilder des Krieges vor Augen. Er wies ihn darauf hin, dass die politische und diplomatische Strategie nicht mit der militärischen verbunden sei. ‘Das wird nicht funktionieren’, sagte er. ‘Wir werden die uns selbst gestellten Zielstellungen nicht erreichen.’ Harvey sah eine vollkommene Rückkehr zur Situation vor dem 11. September vor. Petraeus fragte, welche Möglichkeiten es gäbe, und Harvey war der Meinung, dass eine Unterstützung der Regierung von Karzai fehl am Platz sei.

Er sagte, dass die Wahlergebnisse Karzai gestärkt hätten, und dass jener schon alles das erhalte, was er wolle.

Den Truppen von McChrystal war es nicht gelungen, die Schlüsselgebiete frei zu machen. ‘Der Feind hat begonnen, sich anzupassen’, fügte Harvey hinzu.

Am 16. April kam der Präsident mit dem Nationalen Sicherheitsrat zusammen, um die aktuelle Information über Afghanistan und Pakistan zu analysieren.

Der Präsident begann, Fragen zur Situation in spezifischen Gebieten zu stellen; in allen diesen hielten die Truppen stand und in keinem von ihnen war die Verantwortung den örtlichen Kräften übertragen worden.

Das inzwischen fixierte Schema war klar: standhalten, über Jahre standhalten, ohne Fortschritte bzw. Machtübergaben.

Niemand von den Beratungsteilnehmern getraute sich zu fragen, wann die Übergabe beginnen würde.

Donilon und Lute hatten einige Fragen vorbereitet, damit der Präsident sich auf die Situation in Khandahar konzentriert.

Der Präsident empfahl McChrystal, dass er darüber nachdenke, wie wir in Erfahrung bringen können, ob wir erfolgreich sind und wann wir dies wissen würden.

Das Ergebnis der Versammlung bedeutete einen ersten Strike (Vermerk: 3 Strikes bedeuten das Aus) für den General.

Der Brigadegeneral Lawrence Nicholson besuchte Jones und Lute im Weißen Haus. Nicholson wurde an die ihm zur Verfügung stehende Frist von 12 Monaten erinnert, um die erreichten Erfolge zu beweisen und den Übergang zu beginnen. Wann würden die Marineinfanteristen bereit sein, etwas mehr zu tun, zum Beispiel in Khandahar einzumarschieren, oder nach Hause zurückzukehren und Teil derjenigen zu sein, die 2011 zurückkehren würden?

Nicholson sagte, er benötige mindestens weitere 12 Monate, und das für jene Bezirke, die die besseren Voraussetzungen hätten. Lute erinnerte ihn daran, dass die Vereinbarung eine andere gewesen sei, und dass er noch nicht einmal in die Vororte von Khandahar, dem Ort, wo die Taliban sich festzusetzen beabsichtigen, eingedrungen sei. Das Wichtige sei Khandahar.

Nicholson sagte, dass man vielleicht in 24 Monaten dorthin gelangen könne, wenn das Problem des Schlafmohn-Anbaus gelöst würde, da das die Aufständischen stärke.

Lute fragte sich, wie das erreicht werden könne. Trotzdem eine Plage 33 Prozent jener Anpflanzungen zerstört hatte, waren die Perspektiven zur Reduzierung der Finanzierung für die Aufständischen unwahrscheinlich. Trotz der verschwörerischen Theorien der Afghanen hatte die CIA noch kein Insekt entwickelt, das den Schlafmohn angreife.

McChrystal berichtete gewisse Fortschritte, aber sobald Lute tiefgründiger bei den Zahlen nachfragte, war die Realität ganz anders.“