Bei der Versammlung am
9. Oktobers war Hillary an der Reihe. Sie sagte, das Dilemma sei zu
entscheiden, was man zuallererst braucht, ob weitere Truppen oder eine bessere
Regierung; um einen Zusammenbruch zu vermeiden, brauche man mehr Truppen, aber
das gewährleiste nicht den Fortschritt.
Sie hat gefragt, ob es
möglich sei, die Ziele in Afghanistan und Pakistan zu erreichen, ohne die
Verpflichtung, weitere Truppen zu entsenden. Sie hat selbst die Antwort gegeben,
dass die einzige Möglichkeit für eine Veränderung der Regierung die Entsendung
weiterer Truppen sei, dass das aber keine Garantie sei, dass die Sache
gelinge.
Sie fügte hinzu, dass
alle Optionen schwierig und nicht zufriedenstellend seien, und sagte außerdem: „Es liegt im Interesse
unseres Landes, die Sicherheit zu gewährleisten, dass die Talibans uns nicht
besiegen. Dasselbe geschieht mit der Zerschlagung der Al-Qaida, was ohne
Afghanistan schwierig wäre. Es ist eine extrem schwierige Option, aber die
Optionen sind eingeschränkt, es sei denn, wir nehmen uns vor, einen
psychologischen Vorteil zu erreichen.’
Mullen hat sich auf die
Seite der Hardliner gestellt. Dennis Blair gab zu bedenken, dass die innere
Politik wegen der Anzahl der Toten ein Problem darstellen könne, denn im
vorangegangenen Monat war die Zahl auf 40 gestiegen, doppelt soviel wie im
vorigen Jahr. Er fragte sich, ob das der Mühe wert sei. Die Antwort war, dass das Volk dahinter
stehen würde, solange es glaubt, dass es Erfolge gäbe.
Er sagte: ‚Zum ersten
Mal würde der Präsident eine vom Kriegskabinett ausgearbeitete Strategie haben,
und wir werden dem Volk der Vereinigten Staaten sagen können, was wir tun.’
Panetta meinte
Folgendes: ‚Sie dürfen nicht gehen. Sie können die Talibans nicht besiegen.’ ‚Sie
haben nicht von der Möglichkeit gesprochen, eine Demokratie im Stil Jeffersons
in Afghanistan durchzusetzen’, sagte Panetta, er denke, dass eine solche
Demokratie die Grundlage wäre, um die Mission der Vereinigten Staaten zu verkleinern
und Karzai trotz seiner Fehler zu akzeptieren. Laut Panetta bestehe die Aufgabe
darin, gegen die Al-Qaida zu kämpfen und zu gewährleisten, dass es keine Heiligtümer
gäbe.
Es sei nötig, mit Karzai zu arbeiten.
Susan Rice sagte, dass
sie immer noch keine Entscheidung getroffen habe, sie denke aber, es sei nötig,
die Sicherheit in Afghanistan zu verstärken, um die Al-Qaida zu zerschlagen.
Holbrooke sagte, dass
man weitere Truppen brauche; die Frage sei, wie viele und wozu man sie
einsetzen wolle.
John Brennan fragte, was
man eigentlich zu erreichen suche, denn die Entscheidungen hinsichtlich der Sicherheitsfragen,
die hier getroffen würden, könne man dann auch auf andere Regionen anwenden.
Wenn es sich nicht um eine korrupte Regierung handeln würde, sondern der ganzen
Bevölkerung dienlich sein würde, würde man das nicht schaffen, solange er am
Leben sei. Er sagte: ‚Das ist der Grund,
weshalb die Worte Erfolg, Sieg und Gewinnen unsere Aufgabe verkomplizieren.’
Schon waren zweieinhalb
Stunden vergangen. Der Präsident sagte, dass diese Versammlungen zum dem
Ergebnis geführt haben, das wir jetzt über eine nützliche Definition des
Problems verfügen.
‚Das werden wir nicht
heute lösen’, sagte Obama. ‚Wir haben bereits erkannt, dass wir die Talibans
nicht vollständig niederschlagen können.’
Obama sagte, auch wenn
er die Entsendung von 40.000 Truppen bewillige, würde das für eine das ganze
Land umfassende Strategie der Aufstandsbekämpfung nicht ausreichen.
Obama fragte, ob man es
schaffen könne, die Afghanen zu dem Punkt zu bringen, dass es den Vereinigten
Staaten möglich wäre, in einem Zeitraum von zwei, drei oder vier Jahren
abzuziehen.
‚Wir können in den
Vereinigten Staaten keine Mission unendlich fortführen’, sagte Obama. ‚Wir
werden die interne Unterstützung und die unserer Verbündeten nicht beibehalten
können, ohne eine Erklärung zu geben, die nicht auch die Zeitgrenzen mit
einschließt.’
Holbrooke ist in sein
Büro im State Departement zurückgekehrt, wo das Personal sich beschwerte, dass es
die ganze Nacht wach bleiben und Analysen machen musste, die niemand lese.
Holbrooke antwortete,
dass die Person, an die sie gerichtet waren, sie auch gelesen habe, dass die schlaflosen
Nächte nicht vergeblich seien, und dass sie einen weiteren Satz von Berichten
für den Präsidenten vorbereiten müssen.