Endlich erhielt McChrystal
am 8. Oktober die Möglichkeit, seinen
Vorschlag zur Erhöhung der Truppenanzahl im engsten Personenkreis vorzutragen
(Obama war nicht zugegen).
Das Wesentliche seines Vortrags mit 14 Dias bestand
darin, dass die Bedingungen in Afghanistan schlimmer waren als man dachte, und
dass nur eine offensive und gut vorbereitete Aufstandbekämpfung die Lage ändern
könne.
Jones sagte, dass noch
nicht alle Fragen geklärt seien, und hat in seinem Notizbuch vermerkt, dass es
unmöglich sei, irgendeine Strategie in Afghanistan in die Tat umzusetzen, die
das Thema der Heiligtümer in Pakistan nicht berücksichtige.
McChrystal schlug drei Varianten vor:
1. 10.000 bis 11.000 Soldaten, um die Sicherheitskräfte
in Afghanistan zu trainieren
2. 40.000 Soldaten zum Schutz der Bevölkerung
3. 85.000 Soldaten zum selben Zweck.
McChrystal hat klargestellt, dass das Ziel in diesem
Fall nicht in der Niederschlagung der Taliban-Bewegung
bestehe, sondern in deren Herabsetzung, d.h., das
Ziel besteht darin zu verhindern, dass sie erneut die Kontrolle über Schlüsselgebieten
des Landes in die Hand bekommen.
Hillary fragte, ob es möglich sei, eine solche Herabwürdigung mit einer
geringeren Truppenanzahl zu erreichen. Der General verneinte, er sei für
die 40.000 Soldaten.
Am nächsten Morgen
erwachte Obama mit der Nachricht, dass er mit
dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war.
Am gleichen Nachmittag
um 14.30 Uhr war eine Arbeitssitzung des
gesamten Nationalen Sicherheitsrates mit dem Präsidenten vorgesehen. Er hat die
Sitzung mit der Frage an alle begonnen, wie es mit dem Krieg weiter gehen soll.
Lavoy begann
über Pakistan und dessen Besessenheit
gegenüber Indien zu sprechen und darüber, dass die Pakistaner
Vorbehalte hinsichtlich der Verpflichtungen der US-Amerikaner hätten.
McChrystal sagte, er würde, solange der Auftrag nicht geändert
wird, weiter die gleichen Varianten vorschlagen.
Eikenberry fasste seine
Darlegungen in zehn Minuten zusammen, die allerdings ziemlich pessimistisch
waren. Er stimmte damit überein, dass die Lage sich weiter verschlechtere, und dass
es notwendig sei, mehr Mittel zu schicken, jedoch meinte er, dass eine Aufstandbekämpfung
zu ehrgeizig wäre.
Gates hat darauf hingewiesen,
dass sich alle auf drei Varianten geeinigt hätten:
1. Aufstandbekämpfung, d.h., Wiederaufbau der
Nation
2. Antiterrorismus, von
dem viele Leute denken, dass bedeute, Raketen von einem Schiff auf dem Ozean
aus abzuschießen
3. Antiterrorismus plus
Natürlich gab es mehr
Varianten, nicht nur diese drei. Gates fügte hinzu, es sei notwendig, das Ziel
neu zu definieren, und dass die USA womöglich mehr zu erreichen suchen als erreichbar
ist.
Petraeus sagte am Ende
seiner Darlegung: ‚Wir werden die
Taliban-Bewegung nicht vernichten, aber wir müssen ihr den Zugang zu den bevölkerten Gebieten und zu den
Schlüssel-Kommunikationsmitteln verwehren, um sie aufzuhalten.’
Biden fragte hartnäckig:
‘Wenn sich die Regierung nicht bessert und Sie die Truppen empfangen, wo bliebe
dann die Wirkung? Wenn es nach einem Jahr keinen offenbaren Fortschritt gibt,
was machen wir dann?’
Es gab keine Antwort.
Biden beharrt
darauf: ‘Falls die Regierung sich nicht bessert
und Sie die Truppen empfangen, wie wäre dann die Auswirkung?
Eikenberry antwortete
darauf, dass, obwohl die letzten fünf Jahre nicht hoffnungsreich waren, es doch
einige kleine Fortschritte gäbe und man davon profitieren könne, obgleich keine
bedeutenden Fortschritte in den nächsten
sechs bis zwölf Monaten zu erwarten seien.