Am 29. September berief Jones die leitenden Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates zu einer zweistündigen Debatte als Probe für die Sitzung am nächsten Tag ein, ohne die Anwesenheit des Präsidenten.

Jeder, der ein Video der Sitzung gesehen hätte, würde vermutlich in Aufruhr geraten. Acht Jahre nach Beginn des Krieges wurde noch immer darüber debattiert, welches die Hauptziele waren.

Biden hatte ein sechsseitiges Memorandum ausschließlich für den Präsidenten geschrieben, in dem er die Berichte des Nachrichtendienstes über die Taliban-Bewegung in Frage stellt. Die Berichte stellte die Taliban als die neue Al-Qaida vor. Da die Talibans diejenigen waren, die gegen die US-Amerikaner kämpften, wurde es zur Gewohnheit, dass Araber, Usbeken, Tadschiken und Tschetschenen anlässlich ihres so genannten Jihad-Sommers nach Afghanistan kamen.

Biden wies darauf hin, dass die Zahlen übertrieben waren, dass die Anzahl ausländischer Kämpfer in keinem Fall 50 bis 75 überschritten.

Am Mittwoch, dem 30. September, führte der Präsident eine zweite Sitzung durch, um das Problem Afghanistan und Pakistan zu analysieren. Diesmal war der Teilnehmerkreis größer. Petraeus war anwesend.

Der Präsident fragte: ‚Gibt es jemanden, der der Auffassung ist, dass wir uns aus Afghanistan zurückziehen sollten?’ Alle schwiegen. Keiner hat etwas gesagt.

‚Gut’, sagte der Präsident, ‚da wir das jetzt geklärt haben, machen wir weiter!’

Obama wollte sich auch während der restlichen Sitzung vom Thema Afghanistan fern halten.

‘Beginnen wir damit, was uns wirklich interessiert, und zwar Pakistan, nicht Afghanistan’, sagte er. ‚In der Tat, wenn Sie wollen, können Sie den pakistanischen Führern sagen, dass wir aus Afghanistan nicht weggehen.’

Obama legte die Geschäftsordnung für den Rest der Sitzung fest. ‚Tatsächlich möchte ich mich auf die Vereinigten Staaten konzentrieren. Ich bin der Auffassung, dass drei Schlüsselziele existieren. Eins davon ist der Schutz der Vereinigten Staaten, der Verbündeten und der Interessen im Ausland. Zwei, die Sorge um die Stabilität und die Nuklearwaffen in den Händen von Pakistan. Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf die Vereinigten Staaten lenke, gibt es da einen Unterschied zwischen den Gefahren, die von der Al-Qaida oder der Taliban ausgehen?’

Lavoy und Petraeus haben ihrerseits das Wort ergriffen. MacChrystal stellte in einer Präsentation ‚Den Weg’ vor, seine erste Einschätzung.

Obama sagte: ‚Gut, Ihr habt eure Arbeit gemacht, aber es gibt drei neuen Ereignisse: Die Pakistaner haben ihr Verhalten positiv verändert; die Lage in Afghanistan ist viel ernster, als wir annahmen; und die afghanischen Wahlen haben nicht die erwartete Wende gebracht - eine legitimere Regierung.’

Biden befürwortete die vom Präsidenten angefochtene Vermutung, dass sich Pakistan auf die gleiche Weise wie Afghanistan entwickeln würde.

Robert Gates schlug vor, die Interessen im Ausland und die der Verbündeten zu berücksichtigen.

Zum Ende der Sitzung hat Hillary gefragt, wie die zusätzlichen Truppen eingesetzt werden sollten, wohin sie gebracht werden, ob sie als Berater dorthin entsandt würden, und wie man mit den Lehren aus dem Irak umgehen würde.

‚Die Analysen des Nachrichtendienstes auf höchster Ebene waren über eine Aktion in Afghanistan zurzeit niemals schlüssig. Ein vollkommen unstabiles Afghanistan würde früher oder später Pakistan destabilisieren. So lautete die Frage an den Präsidenten und seine Mitarbeiter wie folgt: „Können die Vereinigten Staaten dieses Risiko eingehen?’

Gates traf sich mit dem pakistanischen Botschafter Haqqani in den Vereinigten Staaten. Er sollte ihm eine ausdrückliche Botschaft des Präsidenten überreichen: ‚Wir werden nicht aus Afghanistan weggehen.’ Haqqani stellte eine lange Liste von Dingen vor, die die pakistanische Armee brauchte. Der Kongress hatte im Mai einen Fonds von 400 Millionen US-Dollar zur Verbesserung des Arsenals der Aufstandsbekämpfung genehmigt. Haqqani sprach das Problem der 1,6 Milliarden an, die die Vereinigten Staaten der pakistanischen Armee dafür schuldeten, dass sie die gesamte Grenze entlang militärischen Operationen durchführen können. Nach dem 11. September haben die Vereinigten Staaten eine Kostenrechnung zugunsten Pakistan und anderer Länder eröffnet, die sie Unterstützungsfonds für die Koalition nennen, aus dem sie den Verbündeten die geleistete Hilfe zurückerstatten.